Impressionen 50er 60erJahre

Raum Radiogeräte der 50er und 60er Jahre, tragbare Koffergeräte:

Die Jahre ab 1953 bis ungefähr 1964/65 sind die absolute Blütenzeit des Röhrenradiogerätes. Die deutsche Rundfunkindustrie produzierte weltweit die besten Radiogeräte in der Spitzenklasse. Die Empfangsempfindlichkeit im Hochfrequenzteil auf AM und FM, die Güte der Niederfrequenzstufen in Bezug auf Frequenzumfang, Klirrfaktor und anderen Daten waren bei den Spitzen-Geräten des Unterhaltungsrundfunks nicht mehr zu steigern. Das sogenannte Tastenradio hatte sich durchgesetzt. Hinzu kamen je nach Fabrikat Festsendertasten, automatischer Sendersuchlauf (Saba), automatische Festsendereinstellung (Grundig, Philips), Fernbedienung (Saba, Grundig, Loewe Opta u. A.). Später kam auf UKW die automatische Scharfabstimmung. Deutschland war Exportweltmeister bei Geräten der Unterhaltungselektronik.

Der Stil der Gehäuse war zunächst das sogenannte Gelsenkirchener Barock. Anfang der 60er Jahre kam der nordische Stil mit Teakholzgehäusen und die Gehäuseformen wurden flacher und nüchterner. Schon bald wurden Kleingeräte, wie die bekannte Philetta-Serie der Firma Philips als sogenannte Zweit- oder Küchengeräte nachgefragt und mit steigendem Absatz verkauft. In den 60er Jahren folgte der Radiowecker für das Schlafzimmer.

Mit Abnahme des Wohnraummangels und dem großflächigeren Bau der Wohnungen hatte man auch den Platz für Musiktruhen, die Radiogerät und Schallplattenspieler enthielten. Die ganz großen Musikmöbel ab Ende der 50er Jahre enthielten Fernsehgerät, Radiogerät, Plattenspieler und Tonbandgerät. Die Firma Saba zum Beispiel stelle die Truhe »Königin von Saba« her, die im Anschaffungspreis mehr als ein VW Standard-Käfer kostete. Die Firma Braun brachte bereits seit 1955 Geräte mit modernem Design auf den Markt.

Stereo war die große Innovation. Ab 1957 kamen Stereoschallplatten auf den Markt, die natürlich nur mit den entsprechenden Wiedergabegeräten Stereo-Plattenspieler und Radiogerät mit Stereo-Niederfrequenz und-Endstufen sowie den räumlich getrennten Lautsprechern auch stereofon gehört werden konnten. Ab 1961/62 begannen die Rundfunksendeanstalten über einzelne UKW-Sender mit Stereo-Versuchssendungen. Das ist das sogenannte HF (Hochfrequenz) Stereo wie es heute auf UKW generell verwendet wird. Für Empfang und Wiedergabe mussten bei den Radiogeräten in den ZF-Stufen geringe Änderungen durchgeführt und zusätzlich ein Stereodecoder eingebaut werden. Frühe Stereodecoder waren teilweise noch röhrenbestückt. Ab 1963 gab es über den UKW-Rundfunk regelmäßig Stereosendungen.

Kofferradiogeräte kamen ab 1950 auf den Markt und erfreuten sich im Lauf der Jahre, insbesondere bei den jungen Leuten, zunehmender Beliebtheit. Der endgültige Durchbruch kam Ende der 50er Jahre, als der Transistor die Röhre im Koffergerät abgelöst hatte. Die Röhrengeräte waren schwer, man benötigte zum Betrieb ja Anoden- und Heizbatterie. Bei den größeren und teureren Geräten waren bereits Netzteile eingebaut, die das Gewicht zusätzlich erhöhten. Bei vorhandenem Netzanschluss konnten so Batterien geschont werden.

Der Stromverbrauch bei Batteriebetrieb, insbesondere bei größerer Lautstärke, war nicht gerade gering. Bei Transistorgeräten benötigte man nur noch einen Batteriesatz, die Geräte konnten wegen der kleineren Bauteile auch kleiner gebaut werden oder es wurde sofort ein Netzteil mit eingebaut, so dass das Gerät auch als Netzgerät betrieben werden konnte. Zunächst waren die Koffergeräte nur für den Empfang von AM-Sendern (K,M,L) geeignet. Sehr schnell wurden Koffergeräte auch für UKW-Empfang hergestellt. In den 60er-Jahren wurden viele Koffergeräte mit speziellen Tasten zum Empfang der damaligen »Kultsender« Radio Luxemburg im Kurzwellenbereich und Europawelle Saar im Mittelwellenbereich ausgestattet.

Ende der 60er Jahre kamen sogenannte Weltempfänger auf den Markt. Bei diesen Geräten hatte die Kurzwelle für jeden Frequenzbereich einen eigenen Spulensatz und eine eigene Skala. Mit diesen Geräten konnten Kurzwellensender der ganzen Welt abgehört werde, eine entsprechende Antenne war Voraussetzung. Geräte dieser Art waren z.B. der Nordmende Globetrotter, der Braun T 1000 oder die Satellitenserie von Grundig.