Impressionen 30erJahre

Ab Anfang der dreißiger Jahre bis zum Ausbruch des zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 kann man von einer Blütezeit der deutschen Rundfunkindustrie sprechen. Die Elektronik in den Geräten entwickelte sich in rasantem Tempo. Die Gehäuseformen der Geräte wurden vielfältiger. Fast jede Radiofirma entwickelte ihren eigenen Gehäusestil. Am Anfang der dreißiger Jahre waren die Radiogeräte sogenannte »Hochkantgeräte«, ab Mitte der dreißiger Jahre wurden die Geräte dann mehr flacher und mit größerer Breite gebaut. Der Lautsprecher wurde nicht mehr über sondern neben der Skala angeordnet.

Die in den zwanziger Jahren dominierenden Audion- und Geradeausempfänger werden zunehmend vom Superhet-Empfänger abgelöst. Die Bedienung eines Superhet-Radiogerätes war für den Radiohörer erheblich einfacher. Die Radioindustrie baute in die teureren Geräte Abstimmhilfen wie Glimmanzeigeröhren, Schattenzeiger und ab 1937 Abstimmanzeigeröhren, sogenannte Magische Augen, ein um das exakte Abstimmen auf einen Sender zu erleichtern.

Die Skalenanzeigen waren bei manchen Radiogeräten mechanische und optische Meisterleistungen. Beispielhaft genannt sei hier die von der Firma Sachsenwerk hergestellte Kinoskala, bei der die Sendernamen auf ein Fenster oberhalb der normalen Skala projiziert werden. Die aufwändige mechanische und optische Konstruktion ist vergleichbar mit einem Diaprojektor.

Oder die einzigartige Konstruktion des Ingelen Geographic, bei dem die Skala kreisförmig um eine Europakarte angeordnet ist, auf der der eingestellte Sender durch einen Lichtpunkt markiert wird. Feine Glasstäbe, die in mühevoller Kleinarbeit in der Fertigung von Arbeiterinnen eingebaut wurden, übernehmen diese Funktion – quasi Glasfasertechnik der 30er Jahre.

Ab 1938 erhalten Geräte der oberen und obersten Preisklassen Drucktasten mit denen der Radiohörer seine Lieblingssender fest einstellen konnte. Er brauchte dann nur noch das Gerät einschalten und die Taste des gewünschten voreingestellten Senders drücken.